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Der Wald oder die Jobs? - Neues Bildungsmaterial mit 12 Unterrichtseinheiten über Macht, Profit und die Klimakrise

// Konstantin Korn

Ein Unternehmen plant, ein neues Werk zu bauen – dafür muss ein Wald gerodet und das Trinkwasser riskiert werden. Auf der anderen Seite droht Jobverlust, wenn das alte Werk schließt. Die Umweltbewegung will den Wald retten. Das Planspiel ist nur ein Beispiel, indem sich Lernende fragen müssen: Petition starten, eine Demo organisieren, einen Streik ausrufen – oder ein Bündnis mit dem Unternehmen eingehen und den Wald opfern, um die Arbeitsplätze zu retten.

Dieses Szenario spielt sich in einer der Aktivitäten im neuen Bildungsmaterials „Grüner Kapitalismus? Zwischen Gegenwart und möglichen Zukünften des Wirtschaftens“ ab. Das Planspiel bringt in rund 90 Minuten auf den Punkt, worum es im ganzen Material geht: dass ökologische Transformation kein technisches, sondern ein politisches Problem ist. Dass Bündnisse gebildet, öffentliche Meinung beeinflusst und Parlamente überzeugt werden müssen. Und dass dabei reale Interessenkonflikte auf dem Spiel stehen, die sich nicht wegdiskutieren lassen.

Worum geht es im Material?

Das rund 130 Seiten umfassende Material gliedert sich in drei Kapitel, die einzeln oder als Gesamtheit eingesetzt werden können – für Schulklassen ab 15 Jahren ebenso wie für außerschulische Bildungsgruppen.

- Kapitel I: Aspekte eines grünen Kapitalismus legt die theoretische Grundlage. Neben dem Planspiel werden hier grundlegende Widersprüche zwischen kapitalistischer Produktionsweise und Nachhaltigkeit erarbeitet. Eine Unterrichtseinheit zur sogenannten „Externalisierungsgesellschaft" zeigt z.B. anhand von drei konkreten Fallbeispielen – Lithiumabbau in Serbien, grüner Wasserstoff in Namibia –, wie die Dekarbonisierung des Globalen Nordens oft auf Kosten von Mensch und Natur im Globalen Süden geht.

- Kapitel II: Sozial, ökologisch, profitabel? macht die abstrakten Konflikte am konkreten Beispiel der deutschen Automobilindustrie greifbar. Der VW-Sparstreit, die Positionen der Bundestagsparteien zur Mobilitätswende, Arbeitskämpfe in der Branche. Die Lernenden analysieren Akteursinteressen, Machtasymmetrien und Diskurse – und können am Ende sogar eine eigene politische Kampagne entwerfen.

- Kapitel III: Alternativen zu einem grünen Kapitalismus fragt nach Utopien. In einer Zukunftswerkstatt entwickeln die Teilnehmenden eigene Visionen eines sozial-ökologischen Zusammenlebens. Sie lernen Konzepte wie solidarische Lebensweise und Degrowth kennen, kartieren ihre eigene Nachbarschaft der Zukunft – und gehen in einem Wahrnehmungsspaziergang durch eine Stadt, die noch nicht existiert.

Das Material verknüpft sinnvoll und konsequent analytische Perspektiven mit aktivierenden Methoden: Rollenspiele, Gruppenarbeit, kreative Entwürfe wechseln sich mit anspruchsvollen Texten und Reflexionsaufgaben ab.

Zum Kontext des Materials: Ein neuer Verein mit alten Wurzeln

Das Material erschien im Februar 2026 und ist das erste eigenständige Werk des frisch gegründeten Vereins „Wirtschaft demokratisch gestalten lernen e.V.“ – hervorgegangen aus einer Attac-Arbeitsgruppe, die in Kooperation mit dem globalisierungskritischen Netzwerk bereits früher Bildungsmaterialien veröffentlicht hatte.

Der Verein startet nicht ohne Hindernisse: Mehrere Finanzämter haben bei Vorprüfungen infrage gestellt, ob der Verein als gemeinnützig anerkannt werden kann – auf Basis von Formulierungen aus dem Attac-Urteil des Bundesfinanzhofs. Gerade deshalb freut sich der Verein auch über finanzielle Unterstützung (https://wirtschaft-demokratisch.org/unterstuetzen/) - damit auch das nächste Material kostenlos zur Verfügung gestellt werden kann. 

Das Material steht kostenlos zum Download bereit: https://wirtschaft-demokratisch.org/materialien/


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