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[TW] Azubi Know-How: (Wie) Für gute Arbeit kämpfen - auch global

// Lena Kögler

Was bedeutet eigentlich „gute Arbeit“? Welche Rechte haben Auszubildende im Betrieb? Und was können Beschäftigte tun, wenn Arbeitsbedingungen unfair sind oder ihre Rechte verletzt werden?

Das (Unterrichts-)Material Gute Arbeit für alle! Arbeitsrechte – Arbeitskämpfe macht Arbeitsrechte, gewerkschaftliche Organisierung und Arbeitskämpfe praktisch erfahrbar. Die Methoden knüpfen an die Lebens- und Ausbildungssituation junger Menschen an und verbinden deren eigene Erfahrungen mit globalen Zusammenhängen. Das Material wurde insbesondere für die Ausbildung im Einzelhandel entwickelt, lässt sich aber auch in vielen anderen Ausbildungsberufen einsetzen.

Auf einen Blick

Name:
„Gute Arbeit für alle! Arbeitsrechte – Arbeitskämpfe“

Zielgruppe:
Auszubildende, insbesondere im Einzelhandel aber auch anderen Ausbildungsberufen. Das Material eignet sich außerdem für Berufsschullehrkräfte, Teamende und Multiplikator*innen der politischen und gewerkschaftlichen Bildungsarbeit.

Dauer:
Die einzelnen Methoden sind unterschiedlich lang und können zu eigenen Unterrichts- oder Seminarabläufen kombiniert werden. Im Material finden sich beispielsweise:

  • 10-Minuten-Methoden
  • 15- bis 20-Minuten-Übungen
  • 40-Minuten-Methoden
  • umfangreichere Einheiten zu Arbeitsrechten und Arbeitskämpfen
  • ein 90-minütiges Planspiel als eigenes Modul

Einzelne Methoden können auch unabhängig von den vollständigen Abläufen genutzt werden.

Herausgegeben von:
EPIZ e.V. – Zentrum für Globales Lernen in Berlin

Link:
Gute Arbeit für alle! Arbeitsrechte – Arbeitskämpfe

So funktioniert es

Das Material setzt bei der konkreten Lebens- und Arbeitswelt von Auszubildenden an. Ausgangspunkt sind Fragen, die unmittelbar mit dem eigenen Ausbildungsalltag verbunden sind: Was läuft in meiner Ausbildung gut oder schlecht? Was macht einen guten Arbeitsplatz aus? Welche Rechte habe ich? Und wie kann ich mich gemeinsam mit anderen für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen?

Im ersten Modul „Arbeitsrechte für Auszubildende“ werden verschiedene Aspekte von Arbeitsbedingungen und Interessenvertretung Schritt für Schritt bearbeitet. Eine einfache Kartenabfrage ermöglicht beispielsweise einen erfahrungsbezogenen Einstieg: Die Teilnehmenden sammeln positive und negative Aspekte ihrer Ausbildung und tauschen sich darüber aus. Anschließend können die unterschiedlichen Interessen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber thematisiert werden.

Eine weitere Methode beschäftigt sich mit der Frage „Was ist gute Arbeit?“. Die Teilnehmenden entwickeln zunächst ihr eigenes Verständnis davon, welche Bedingungen einen guten Arbeitsplatz ausmachen. Anschließend vergleichen sie ihre Vorstellungen mit dem gewerkschaftlichen Konzept „Gute Arbeit“ und diskutieren, welche Bedeutung Aspekte wie Mitbestimmung, gerechtes Entgelt, Arbeits- und Gesundheitsschutz, soziale Sicherheit und Diskriminierungsfreiheit haben. Dabei wird auch die globale Perspektive einbezogen: Was würde es bedeuten, wenn weltweit unter Bedingungen „guter Arbeit“ gearbeitet würde?

Weitere Methoden behandeln unter anderem:

  • gewerkschaftliche Organisierung und die Frage, ob sich ein Gewerkschaftsbeitritt lohnt,
  • den Umgang mit schlechten Arbeitsbedingungen,
  • Anlaufstellen bei Arbeitsrechtsverletzungen,
  • Tarifverhandlungen,
  • die Entstehung und Voraussetzungen eines regulären Streiks in Deutschland,
  • Bedingungen für erfolgreiche Streiks,
  • Arbeitskämpfe jenseits des klassischen Streiks.

Die Methoden sind handlungsorientiert und arbeiten unter anderem mit Kartenabfragen, Kleingruppenarbeit, Positionierungen im Raum, Kurzfilmen und Plenumsdiskussionen. Dadurch werden die Teilnehmenden nicht nur mit arbeitsrechtlichem Wissen versorgt, sondern dazu angeregt, eigene Erfahrungen zu reflektieren, unterschiedliche Positionen kennenzulernen und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Den zweiten Schwerpunkt bildet das Planspiel „Wirtschaft, Wohlstand, Arbeitskampf“. Hier können die zuvor behandelten Fragen in einem komplexeren Szenario zusammengeführt werden. Die Verbindung von Arbeitswelt und globalem Lernen ist dabei ein zentrales Element des Materials: Arbeitsbedingungen in Deutschland werden nicht isoliert betrachtet, sondern mit internationalen Produktions- und Wirtschaftsstrukturen sowie Erfahrungen aus dem Globalen Süden in Beziehung gesetzt.

Die einzelnen Methoden sind mit Angaben zu Kompetenzen, Methode, Dauer, benötigtem Material und Ablauf beschrieben. Dadurch können sie relativ unkompliziert in Unterricht, Projekttagen oder Seminaren eingesetzt und miteinander kombiniert werden.

Fazit

 „Gute Arbeit für alle!“ ist ein praxisnahes Methodenpaket, um Arbeitsrechte, Mitbestimmung und gewerkschaftliche Interessenvertretung in der beruflichen Bildung zu thematisieren. Besonders stark ist der konsequente Ausgangspunkt bei den Erfahrungen der Auszubildenden: Statt abstrakt über Arbeitsrecht zu sprechen, setzt das Material bei Situationen an, die junge Menschen aus ihrer Ausbildung kennen können.

Gleichzeitig erweitert das Material den Blick über den eigenen Betrieb hinaus. Arbeitsbedingungen, gewerkschaftliche Organisierung und Arbeitskämpfe werden in globale wirtschaftliche Zusammenhänge eingeordnet. Damit eignet sich das Heft besonders gut für die Verbindung von politischer Bildung, beruflicher Bildung und Globalem Lernen.

Besonders gut gefällt uns, dass auf der Materialseite auch ein "Inklusionscheck" abrufbar ist, der anhand verschiedener Kriterien darstellt, inwiefern die Methodensammlung inklusiv gestaltet ist bzw. worauf bei der Umsetzung ggfs. zu achten ist.

Da das Material bereits 2017 erschienen ist, sollten rechtliche Grundlagen, aktuelle Arbeitskämpfe, Tarifbedingungen und weiterführende Links vor dem Einsatz auf ihre Aktualität geprüft werden. Die methodischen Zugänge und die grundsätzlichen Fragestellungen sind jedoch weiterhin gut aufgreifbar.

Hier geht es direkt zum Material: Gute Arbeit für alle! Arbeitsrechte – Arbeitskämpfe

Hier geht es zur Materialseite von EPIZ.

Hier geht es zur Übersichtsseite unserer Themenwoche: Demokratie anpacken! – Handwerkszeug für Demokratiebildung im Betrieb

 

Über die Themenwoche

Dieser Beitrag beendet unsere Themenwoche „Demokratie anpacken! – Handwerkszeug für Demokratiebildung im Betrieb. In den Beiträgen stellen wir Methoden, Materialien, digitale Werkzeuge und Seminarkonzepte für die politische Bildung in der Arbeitswelt vor. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie demokratische Beteiligung, Mitbestimmung und eine respektvolle Betriebskultur praktisch gestärkt werden können.


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