Streitkultur stärken – Konflikte verstehen und konstruktiv gestalten
Seminarkonzept Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg
Ein respektvoller und lösungsorientierter Umgang mit Konflikten ist ein zentraler Bestandteil demokratischen Handelns in der Arbeitswelt. In diesem zweitägigen Seminar beschäftigen wir uns mit der Frage: Was sind Konflikte – und welche Chancen stecken in ihnen? Sowohl im Alltag im Kleinen, als auch auf gesellschaftlicher Ebene bis hin zu internationalen Konflikten.
Gemeinsam reflektieren wir unser eigenes Konfliktverhalten, lernen Konflikten und ihre Ursachen besser zu verstehen und erarbeiten praktische Ansätze, um besser mit ihnen umzugehen. Wir üben einander zuzuhören, das Gegenüber richtig zu verstehen und gemeinsam neue Lösungen zu finden.
Der erste Seminartag setzt einen Fokus auf das Verständnis von Konlikten, deren Analyse von Ursachen und Auswirkungen und den individuellen Umgang damit. Am zweiten Seminartag vertiefen wir auf Wunsch der Teilnehmenden das eigene Konfliktverhalten, beschäftigen uns vertieft mit den Bedürfnissen und Interessen von Konfliktparteien und erproben Gesprächstechniken wie Gewaltfreie Kommunikation (GFK) und aktives Zuhören.
Zielgruppe
Zielgruppe waren Bundesfreiwilligendiesntleistende und FSJler*innen im Bildungs- und Kulturbereich zwischen 16 und 26 Jahren.
Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Praxis
Wie verhalte ich mich in Konflikten – privat und beruflich? Und warum eigentlich? Genau hier setzte unser Seminar an. In vielen praxisnahen Übungen, Reflexionsphasen und Rollenspielen analysierten die Teilnehmenden ihr eigenes Konfliktverhalten und erprobten neue Handlungsstrategien.
Besonders wertvoll war die intensive Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Konfliktstrategien – etwa Durchsetzen, Nachgeben, Vermeiden oder Kooperieren – und deren Wirkung in verschiedenen Kontexten. Viele erlebten es als Aha-Moment, die eigenen Muster zu erkennen und einordnen zu können. Auch persönliche Fallbeispiele aus dem Alltag wurden eingebracht und gemeinsam bearbeitet.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Bedürfnissen und Gefühlen als Grundlage von Konflikten. Für einige war es herausfordernd, eigene Bedürfnisse klar zu benennen – zugleich entstand genau daraus eine wichtige Erkenntnis: Wer sich selbst besser versteht, kann in Konflikten bewusster entscheiden, ob die eigenen oder die Bedürfnisse anderer im Vordergrund stehen sollen.
Die große Offenheit der Gruppe und das Interesse an vertiefender Arbeit haben gezeigt: Das Thema trifft einen Nerv. Aus diesen Erfahrungen entsteht nun ein kompakter Workshop mit einem „Best of“ der Methoden – mit klarem Fokus auf eigenes Konfliktverhalten, Konfliktursachen und konkrete Reflexion für den Alltag.
Das Besondere
Der zweitägige Workshop bringt Jugendlichen Methoden und Erkenntnisse aus der internationalen Konfliktbearbeitung, Mediation und interkulturellen Kommunikation näher und hilft ihnen diese Lehren auf ihren (beruflichen) Alltag anzuwenden. Für einige Teilnehmende knüpft es an Erfahrungen zum Umgang mit internationalen Konfliktanalysen des Politik-, Wirtschafts- oder Geschichtsunterrichts an. Ziel ist es, Konflikte nicht nur als Problem sondern als Potenzial für Veränderung auf privater wie auch auf gesellschaftlicher Ebene zu begreifen.
Tipps für Teamende
- Führe wenn möglich Vorgespräche zu Interessen, Bedarfen und aktuell vorhandenen Konflikten in Einsatz- oder Ausbildungsstellen der Zielgruppe und schneide das Seminar darauf zu.
- Mut zur Lücke: Wenn nur ein Tag zur Verfügung steht, lasse komplexe Gesprächstechniken (wie GFK) weg. Sie sollten eher in separaten Trainings angeboten werden, um das Hauptseminar nicht zu überfrachten. Konzentriere dich stattdessen auf:
- Analyse des eigenen Konfliktverhaltens sowie Vor- und Nachteile von Konfliktstrategien. Plane hierfür bewusst mehr Zeit ein (auch für den Transfer in verschiedene Kontexte)
- Konfliktdefinition, -arten und -ursachen
- Konkrete Fallbeispiele
- Umgang mit Eskalation klären: Kommuniziere von Anfang an klar, was das Seminar leisten kann und was nicht. Für hoch eskalierte Konflikte im öffentlichen Raum verweise auf spezialisierte Angebote wie Argumentationstrainings.
- Strukturelle Ebene mitdenken: Die Verknüpfung von persönlichem Verhalten mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen und Privilegien ist anspruchsvoll, wird aber von Jugendlichen sehr geschätzt. Baue diese Brücken bewusst, aber kompakt.
- Geschützen Raum schaffen: Da das Thema stark an die Persönlichkeit der Jugendlichen geht, ist der Rahmen entscheidend. Plane ausreichend Zeit für individuelle Reflektion und Einzelarbeit ein und verweise auf die Möglichkeit sich Pausen nehmen oder sich aus dem Seminar herausziehen zu können.
Material zum Download
Kontaktinformationen
Pia Marleen Lange,
Über die Seminarkonzepte
Schwerpunktthema 2025/2026: Demokratisch handeln in der Arbeitswelt
Wie können junge Menschen Demokratie in der Arbeitswelt erleben, verstehen und mitgestalten? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Schwerpunktthemas „Demokratisch handeln in der Arbeitswelt“, das 2025/2026 im Rahmen der Politischen Jugendbildung im Kinder- und Jugendplan (KJP) bei Arbeit und Leben bearbeitet wird.
Die Landesorganisationen von Arbeit und Leben entwickeln dazu modellhafte und experimentelle Seminarkonzepte. Sie erproben neue Zugänge, Methoden und Formate, reflektieren ihre Erfahrungen im kollegialen Austausch und entwickeln die Ansätze weiter.
Die Blogbeiträge dokumentieren diese Konzepte und Erfahrungen. Sie machen Lernprozesse sichtbar und geben Impulse für die Praxis der politischen Jugendbildung.
Förderung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) im Rahmen des Kinder- und Jugendplans (KJP)