Die Kinder vom Bullenhuser Damm
Ein Spiel gegen das Vergessen
Wie können sich junge Menschen an Ereignisse erinnern, die sie selbst nicht erlebt haben? Das digitale Spiel „Erinnern. Die Kinder vom Bullenhuser Damm“ sucht darauf keine einfache Antwort. Stattdessen lädt es die Spielenden dazu ein, selbst Spuren zu entdecken, Gespräche zu führen und unterschiedliche Erinnerungen zusammenzusetzen.
Eine Spurensuche in der eigenen Schule
Hamburg um 1979: Fünf Jugendliche besuchen die Schule am Bullenhuser Damm. In ihrem Schulalltag stoßen sie auf eine kleine Gedenktafel. Sie weist auf ein Verbrechen im Jahr 1945 hin, erklärt aber kaum, was damals an diesem Ort geschah.
Die Spielenden übernehmen die Perspektive einer der fünf Figuren. Sie erkunden die Schule und ihre Umgebung, sprechen mit anderen Menschen und reisen durch deren Erinnerungen. Nach und nach entsteht ein persönliches Bild der Vergangenheit. Dabei können die unterschiedlichen Spielfiguren jeweils eigene Zugänge zur Geschichte eröffnen.
Die Geschichte hinter dem Spiel
In der Nacht vom 20. auf den 21. April 1945 ermordeten SS-Männer in der Schule am Bullenhuser Damm 20 jüdische Kinder und mindestens 28 Erwachsene. Die Kinder waren zuvor aus dem Konzentrationslager Auschwitz in das KZ Neuengamme gebracht und dort für medizinische Experimente missbraucht worden.
Heute erinnert die Gedenkstätte Bullenhuser Damm an die Ermordeten und ihre Geschichten. Angehörige der Opfer brachten ihre Stimmen und Erinnerungen auch in die Entwicklung des Spiels ein.
Erinnerungskultur in interaktiv
Das Spiel vermittelt Geschichte nicht nur durch Texte und historische Informationen. Es macht den Prozess des Erinnerns selbst zum Thema.
Wer erinnert sich an was? Welche Erinnerungen bleiben sichtbar? Welche Geschichten geraten in Vergessenheit? Und warum beschäftigen uns Verbrechen aus der Vergangenheit noch heute?
Als Point-and-Click-Adventure fordert das Spiel dazu auf, die Umgebung genau zu untersuchen, mit Figuren zu sprechen und einzelne Hinweise miteinander zu verbinden. Geschichte erscheint dadurch nicht als fertige Erzählung. Die Spielenden müssen selbst Fragen stellen, Perspektiven einordnen und Zusammenhänge herstellen.
Ein Spiel für die politische Bildung
Für die politische Jugendbildung eignet sich "Erinnern. Die Kinder vom Bullenhuser Damm", weil es
- historische Ereignisse mit Fragen der Gegenwart verbindet.
- zeigt, wie Erinnerung durch unterschiedliche Menschen und Perspektiven geprägt wird.
- zur Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Rassismus und nationalsozialistischen Verbrechen anregt.
- sichtbar macht, dass Erinnerungskultur gesellschaftlich gestaltet und verändert wird.
Das Spiel eignet sich für den Geschichtsunterricht, politische Bildung, Ethik, Religion und fächerübergreifende Projekte. Es kann außerdem einen Besuch der Gedenkstätte vorbereiten oder im Anschluss daran eingesetzt werden. Das Informationsblatt für Lehrkräfte empfiehlt eine reflektierte Nutzung ab Klasse 7. Der Entwickler nennt eine Altersempfehlung ab 14 Jahren.
Das Spielen braucht eine Auswertung
Das Spiel sollte bei der Behandlung des Themas nicht für sich allein stehen. Gerade aufgrund der historischen Hintergründe braucht es Raum für Fragen, Irritationen und Gespräche.
Begleitendes Material für Lehrkräfte und zusätzliche Informationen zu den Spielfiguren unterstützen die pädagogische Vor- und Nachbereitung.
Der Trailer zum Spiel
Der Trailer gibt einen ersten Einblick in die Figuren, die Gestaltung und die Atmosphäre des Spiels.
Auf einen Blick
Titel: Erinnern. Die Kinder vom Bullenhuser Damm
Format: digitales Point-and-Click-Adventure
Zielgruppe: Jugendliche, Schulklassen und Bildungsgruppen
Einsatzbereiche: Geschichte, politische Bildung, Ethik, Religion und Gedenkstättenpädagogik
Plattformen: Android und iOS
Kosten: kostenfrei
Entwicklung: Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte und Paintbucket Games
Unterstützung: Vereinigung Kinder vom Bullenhuser Damm e. V.
Förderung: Alfred Landecker Foundation
weitere Informationen: bullenhuser-damm
Fazit
„Erinnern. Die Kinder vom Bullenhuser Damm“ versucht nicht, ein NS-Verbrechen spielerisch nachzustellen. Es richtet den Blick vielmehr auf die Suche nach Geschichte und auf die Frage, wie Erinnerung entsteht.
Damit bietet das Spiel einen sensiblen und ungewöhnlichen Zugang zur NS-Geschichte. Es kann Jugendliche dabei unterstützen, historische Spuren selbst zu untersuchen und darüber nachzudenken, welche Bedeutung Erinnerung für sie und für die heutige Gesellschaft hat.