Acht Jahre Brückenbau
Ein Abschied vom Projekt „Jugend und Religion“ (JuRe)
Es ist ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Am 31. März 2026 endet nach acht intensiven Jahren das Projekt „Jugend und Religion. Politische Jugendbildung an Berufsschulen (JuRe)“. Gemeinsam mit dem Bundesprogramm „Respekt Coaches“ hinterlässt JuRe eine Lücke in einer Bildungslandschaft, die stabile Strukturen dringend bräuchte.
Es ist nicht der erste Abschied, den ich für das Projekt schreibe. Eigentlich jedes Jahr - egal unter welcher Bundesregierung - wurde es für JuRe knapp. Schon Ende 2024 sah es aus als ob es diesmal definitiv nicht mehr weitergehen sollte. (Danke, JuRe: Ein Rückblick und Aufruf für die Zukunft) Aber dann ging es doch nochmal in die Verlängerung. Nun im März 2026 endet es wirklich und engültig. Eine erfolgreiches aber auch ein - für unsere Kolleg:innen - zermürbendes Kapitel geht damit zu Ende.
Ein Rückblick auf das Erreichte
Seit März 2018 hat der Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben gemeinsam mit zehn Landesarbeitsgemeinschaften Pionierarbeit geleistet. Das Ziel war klar: Politische Jugendbildung direkt dorthin zu bringen, wo sie oft zu kurz kommt – in die Berufsschulen.
Die Bilanz dieser acht Jahre ist beeindruckend und zeigt, wie groß der Bedarf ist:
- Für Schüler*innen: In 570 Veranstaltungen wurden bundesweit über 10.200 Berufsschüler:innen erreicht.
- Für Fachkräfte: 170 Fortbildungen boten rund 2.400 Fachkräften das nötige Rüstzeug für die Arbeit im Feld.
- Starke Netzwerke: Es wurden Kooperationen mit 200 Berufsschulen und 170 Respekt Coaches gepflegt.
Mehr als nur Zahlen: Wissen für die Praxis
JuRe war nie „nur“ Workshop-Arbeit. Das Projekt hat nachhaltige Spuren in Form von Fachpublikationen und Materialien hinterlassen. Ob es um die Auseinandersetzung mit dem Nahostkonflikt und Antisemitismus geht oder um das brandneue JuRe-Produkt, die Materialbox „Dialogkultur: Prävention und Demokratiebildung“ – die Expertise bleibt. Über die JuRe-Website, die Podcasts oder die 34 Newsletter-Ausgaben wurde ein Fachdiskurs angestoßen, der weit über die Projektlaufzeit hinauswirken wird.
Die Kehrseite der Medaille: Das zermürbende Warten
Trotz dieser Erfolge und der Förderung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) blieb ein bitterer Beigeschmack: die Unsicherheit.
Es ist die Geschichte vieler Projekte in der politischen Bildung: Kolleg:innen, die bis zur letzten Minute zittern müssen, ob ihr Arbeitsvertrag verlängert wird; die wertvolle Zeit in Anschlussfinanzierungen stecken müssen, statt in die inhaltliche Arbeit. Dass es nicht gelungen ist, diese essenzielle Arbeit in eine feste, strukturelle Finanzierung zu überführen, ist ein Signal, das uns als Trägerlandschaft nachdenklich stimmen muss. Diese Unsicherheit ist, wie es die Beschäftigend oft treffend formulierten, schlichtweg „zermürbend“.
Danke für die gemeinsame Zeit
Ein Projekt dieser Größenordnung lebt von den Menschen. Ein riesiges Dankeschön geht an:
- Die Berufsschüler:innen, die sich auf oft schwierige Themen eingelassen haben.
- Die Respekt Coaches und Schulsozialarbeiter:innen, ohne deren Türöffner-Funktion vieles nicht möglich gewesen wäre.
- Unsere GEMINI-Partner, mit denen JuRe im Verbund der politischen Jugendbildung viel bewegt hat.
und natürlich vor allen an unsere Kolleg:innen in den Landesarbeitsgemeinschaften und beim Bundesarbeitskreis. Ihr habt für uns viele Beurfsschulen aufgeschlossen und wir werden uns bemühen eure Kooperationen weiterhin mit Leben zu füllen.
Was bleibt?
Das JuRe-Team von Arbeit und Leben verabschiedet sich Ende März. Doch die Themen – Antisemitismusprävention, Demokratiebildung und das Zusammenleben in einer diversen Gesellschaft – bleiben aktuell. Die Materialien stehen weiterhin in der Infothek auf der JuRe-Website zur Verfügung.
Wir hoffen, dass die wertvollen Erfahrungen aus JuRe als Fundament für zukünftige, hoffentlich stabiler finanzierte Programme dienen.
Danke für acht Jahre leidenschaftlich-engagierter Bildungsarbeit!