Methodenkoffer
Selbstdenken in der offenen Gesellschaft
Der Methodenkoffer kurz erklärt
Der Methodenkoffer des Projekts „Selbstdenken in der offenen Gesellschaft“ beinhaltet 18 Lerneinheiten zum Einsatz in der Jugend- und Erwachsenenbildung. Jede Lerneinheit besteht aus einem Ablaufdokument, Hintergrundinformationen sowie Materialien – Letztere sind mitunter als Druckvorlagen konzipiert und beinhalten in fünf Fällen eigens für den Methodenkoffer angefertigte Erklärvideos.
Der Methodenkoffer wurde im Zuge des Projekts „Selbstdenken in der offenen Gesellschaft: Was kann Kant zur politischen Bildung beitragen?“ entwickelt, das vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft (MKW) des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen des NRW-Innovationsfonds gefördert wurde.
Der Einsatz der im Methodenkoffer versammelten Lerneinheiten ist für die gesamte Jugend- und Erwachsenenbildung vorgesehen, wobei sich insbesondere Formate der politischen Bildung thematisch dazu eignen. Die unterschiedlichen Komplexitäten und Ansprüche der Lerneinheiten sollen es erlauben, diverse Gruppen von Teilnehmenden in den Blick nehmen zu können. Lernumgebungen, in denen die Lerneinheiten genutzt werden können, sind also etwa der Unterricht an Schulen (insbesondere in der Sekundarstufe II) und Berufsschulen, aber auch Volkshochschulen oder in Formaten der Jugend- und Erwachsenenbildung, wie sie etwa in der Bildungsarbeit von Stiftungen oder Gewerkschaften umgesetzt werden. Vorstellbar sind zudem Einsätze der Lerneinheiten in innerbetrieblichen Bildungsangeboten oder in Formaten der kulturellen Bildung, etwa in Museen. Die Zielgruppen des Methodenkoffers sind also Lehrende und Bildner*innen in allen Feldern der (politischen) Jugend- und Erwachsenenbildung.
In der Handreichung finden sich detaillierte Erörterungen rund um den Einsatz des Methodenkoffers. Die Handreichung kann bei den zentralen Dokumenten heruntergeladen werden.
Die wichtigsten allgemeinen Punkte zur Nutzung des Methodenkoffers werden untenstehend zusätzlich als Hinweise aufgeführt.
Weiterführende Informationen zum Projekt "Selbstdenken in der Offenen Gesellschaft" finden sich hier.
Hinweise zur Nutzung
Die Lerneinheiten des Methodenkoffers sollen für verschiedene Ansprüche an „Selbstdenken“, „kritisches Denken“ und „Kritik“ sensibilisieren, Diskurse anstoßen und zugleich Diskursfähigkeit fördern und zudem Handwerkszeug vermitteln, das dabei helfen soll, sich in einer komplexen Welt voller weltanschaulichen Orientierungsangeboten, Informationsfluten, Algorithmen, problematischer Kommunikation, Desinformation und Propaganda besser zurechtfinden zu können. Die Kür beim Einsatz der Lerneinheiten wäre, zu Argumentationen und Diskussionen über gewissermaßen erkenntnistheoretische Ansprüche an Aussagen und Überzeugungen anzuregen: Weshalb halte ich eigentlich eine bestimmte Überzeugung für wahr? Sollte mich das, was mein Gegenüber gerade gesagt hat, davon überzeugen, meine Position aufzugeben oder zumindest zu überdenken? Wie übe ich eigentlich zielführend und sinnvoll sowohl Selbstkritik als auch Kritik an den Positionen und Überzeugungen meiner Mitmenschen? Weshalb ist Kritik eigentlich so wichtig? Wie finde ich heraus, ob ich sprachlich hinters Licht geführt werden soll? Bringen Politiker*innen oder Influencer*innen in konkreten Fällen eigentlich vernünftige Argumente vor, oder setzen sie stattdessen auf psychologische Tricks?
Durch das Animieren zu solchen Fragen soll der Methodenkoffer ein stückweit dabei behilflich sein, in Lernkontexten diejenige Art von Mündigkeit zu kultivieren, die insbesondere in unserer Rolle als Staatsbürger*innen elementar ist – denn in dieser Rolle sind wir alle das kritische Korrektiv unseres Gemeinwesens und unserer Repräsentanten; und Kritik will gelernt werden.
Dabei erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit – im Gegenteil war unser Ziel, ein möglichst breites Portfolio aus Themen, Motiven, Zugängen und Komplexitäten bereit zu stellen, um bestmöglich anschlussfähig an die zahlreichen Kontexte der (politischen) Jugend- und Erwachsenenbildung zu sein. Aus diesem Grunde mag die Auswahl der Lerneinheiten des Methodenkoffers mitunter etwas eklektisch oder
„zusammengewürfelt“ wirken. Was die Lerneinheiten indessen allesamt gemeinsam haben, ist die Absicht, Kritikfähigkeit und Lernoffenheit zu fördern, selbst wenn dies teilweise auf eher „indirektem“ Wege geschieht.
Bei alldem bewegt sich der Methodenkoffer auf einer gewissen „Meta-Ebene“: Einzelne empirische Daten stehen – abgesehen von denjenigen Lerneinheiten, die sich explizit psychologischen Themen widmen (wie die Einheiten (9) und (10)) –dabei ebenso wenig im Fokus wie einzelne Überzeugungen. So mag es auf den ersten Blick vielleicht wenig intuitiv wirken, dass der Methodenkoffer keine Aufklärungs- und Sensibilisierungseinheiten gegen grassierende und zunehmende menschenfeindliche Aussagen und Gruppen beinhaltet, oder gegen solche, die sich explizit gegen Programme richten, die den Werten der Aufklärung verpflichtet sind, obwohl diese äußerst relevant und bedrohlich sind. Generell wurde soweit wie möglich darauf verzichtet, in den Lerneinheiten zu „moralisieren“. Wir gehen davon aus, dass die Förderung von Lernoffenheit, Fehlerkultur, intellektueller Bescheidenheit und Kritikfähigkeit universell zu sowohl vernünftigeren als auch menschenfreundlicheren politisch-gesellschaftlichen Perspektiven führt – und dabei zugleich dabei hilft, sich mündiger, selbstwirksamer und selbstsicherer in den auch privaten Herausforderungen der tagtäglichen Weltorientierungen zu bewegen.
Wenn Teilnehmende anhand der Lerneinheiten zu methodischem Hinterfragen animiert werden, sowie dazu, Verantwortung für die eigene Weltorientierung zu übernehmen und dabei auch Unsicherheiten zu verstehen und auszuhalten (Ambiguitätstoleranz), wurde der Anspruch des Methodenkoffers erfüllt.
Die Lerneinheiten wurden so konzipiert, dass sie ohne größere zusätzliche Vorbereitungen umzusetzen sind – notwendig ist allein in vielen Fällen die Vervielfältigung von Druckvorlagen. Mitunter mag auch eine Anpassung der Lerneinheit an die Teilnehmendengruppe sein.
Durchgehend zusätzlich benötig und in den Beschreibungen der Lerneinheiten vorausgesetzt werden die Verwendung einer Tafel oder eines Whiteboards, sowie ein Moderationskoffer. Für die erwähnte Vervielfältigung der Unterlagen sollte ein Drucker zur Verfügung stehen. Der Einsatz der Videos benötigt entsprechende Technik (Beamer oder Bildschirm, jeweils auch Lautsprecher), die in den Ablaufdokumenten der Lerneinheiten stets als „Projektor“ abgekürzt wird.
Die Titel der Lerneinheiten wurden so gewählt, damit Lehrkräfte sich darin ohne größere Interpretationshürden orientieren können. Je nach Teilnehmendengruppe bietet es sich allerdings an, die Titel der Lerneinheiten für den Einsatz zu modifizieren – besonders hilfreich dürfte hierbei die Darstellungsform der Frage sein.
Die Lerneinheiten können jeweils einzeln eingesetzt werden; aufgrund ihrer divergierenden Ansprüche sind auch nicht alle Lerneinheiten für alle Teilnehmendengruppen geeignet. Wir empfehlen deshalb eine erste Orientierung anhand der Übersicht der Lerneinheiten, die Sie im Methodenkoffer als eigenes Dokument und zudem am Ende der vorliegenden Handreichung finden. Sollten Sie in Betracht ziehen, alle 18 Lerneinheiten umzusetzen, empfehlen wir ein modulares Curriculum.
Der ausleihbare Methodenkoffer liegt in zweifacher Ausführung vor und kann kostenfrei zur Verwendung gebucht werden. Wenden Sie sich hierzu bitte per EMail an uns (
Hinsichtlich der Verwendung der Druckvorlagen empfehlen wir, hierzu auf die digitale Version des Methodenkoffers zurück zu greifen: Zwar sind einzelne Materialien und Druckvorlagen in etwas höherer Stückzahl vorgehalten, um den ausleihbaren Methodenkoffer nach dessen Nutzung erneut zu bestücken, doch da das Projekt „Selbstdenken in der offenen Gesellschaft“ nur für das Jahr 2025 finanziert wurden, existieren keine Mittel, um weitere Materialien und Druckvorlagen nach zu produzieren. Bitte gehen Sie aus diesem Grunde auch sorgsam mit dem ausleihbaren Methodenkoffer um.
Zu fünf der Lerneinheiten wurden Erklärvideos produziert, die Sie sich unter den entsprechenden Links anschauen und Ihren Teilnehmenden vorspielen können. Diese Videos wurden produziert, um Ihnen abzunehmen, bestimmte sachliche Inputs selbst durchführen zu müssen, weshalb sie vor allem zu Lerneinheiten gewählt wurden, deren Bearbeitung ohne irgendeine Form des frontalen Inputs ansonsten schwierig geworden wäre. Dementsprechend fungieren die Erklärvideos als Hilfsmittel – sollten Sie diese Inputs selbst oder in methodisch anderer Form ähnlich gut übernehmen können oder sollten Sie geeigneteres Anschauungsmaterial zur Verfügung haben, ist der Einsatz der Erklärvideos nicht nötig.
Wir empfehlen, die Erklärvideos in jedem Fall einmal durchzusehen, bevor Sie sich für die dazugehörige Lerneinheit und die Nutzung des Videos entscheiden, um dessen Eignung (auch für Ihren Lehrkontext und Ihre Teilnehmendengruppe) beurteilen zu können. Zudem mag es in der praktischen Durchführung häufig sinnvoll sein, die Erklärvideos an passenden Stellen zwischen den Abschnitten zu pausieren, um vor allem dichten Input etwas verdaulicher zu präsentieren und um Nachfragen oder gar Zwischendiskussionen zu erlauben.
Die Playlist mit den Erklärvideos findet sich hier auf Youtube.
Der Methodenkoffer ist lizenziert unter der Creative Commons Attribution–NonCommercial–ShareAlike 4.0 International License (CC BY-NC-SA 4.0). Nutzung und Weitergabe sind erlaubt, solange der/die Urheber*in genannt wird und keine kommerzielle Verwendung erfolgt. Bearbeitungen müssen unter derselben Lizenz (CC BY-NC-SA 4.0) weitergegeben werden.
Link zur Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/
Methoden
1 Eisschollen
2 Kritisches Denken
3 Spannungspunkte
4 Wer wird manipuliert?
5 Lernoffenheit und Fehlerkultur
6 Zweifel - Skepsis - Kritik
7 Was ist Kritik?
8 Perspektivübernahme
9 Diskurse offnen
10 Kompetent kritisch
11 Ist nichts wie es scheint?
12 Ankerpunkte
13 Medienverhalten
14 Filterblasen
15 Fake News-Labor
16 Quellen und Autoritäten
17 Was ist eine Meinung?