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[Interview] Was dein Feed dir verschweigt

Feedwatch macht politische Blasen sichtbar

// Johannes Kemnitz
Bild mit freundlicher Genehmigung © Feedwatch

Was sehen Menschen eigentlich in ihren sozialen Netzwerken, wenn sie politisch ganz anders denken als wir selbst? Feedwatch macht unterschiedliche politische Informationswelten sichtbar und lädt dazu ein, genauer hinzuschauen. Im Interview mit Manfred Rump sprechen wir darüber, wie die App funktioniert, wer dahintersteht und welches Potenzial sie für die politische Bildungsarbeit bietet.

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Bild mit freundlicher Genehmigung © Feedwatch

Feedwatch macht politische Informationswelten in sozialen Netzwerken sichtbar. Dafür beobachtet der Verein ausgewählte Accounts aus unterschiedlichen politischen Spektren und bildet daraus verschiedene Feeds. So lässt sich nachvollziehen, welche Themen, Beiträge und Perspektiven Menschen abhängig von ihrem digitalen Umfeld begegnen.

Manfred Rump ist Vorstand bei Feedwatch und hat die Idee mitentwickelt. Wir haben das Interview per E-Mail geführt.

Manfred, danke für deine Zeit. Zuerst einmal: Welche Idee steht hinter Feedwatch?

Soziale Medien zeigen nicht einfach nur politische Realität – sie prägen, wie wir sie wahrnehmen. Und durch personalisierte Feeds sieht jeder Mensch einen anderen Ausschnitt der Welt. Feedwatch macht diese Unterschiede sichtbar und zeigt, wie Algorithmen sowie politische Akteur:innen und ihre Kommunikationsstrategien unsere Informationswelten mitgestalten.

Die App ahmt dazu den Aufbau und die Nutzung gängiger sozialer Netzwerke nach und bringt Medienbildung damit genau dorthin, wo ein großer Teil der Meinungsbildung stattfindet: auf dem Smartphone. Nutzer:innen können über die Event-Funktion gezielt politische Ereignisse auswählen und die verschiedenen Feeds dazu direkt vergleichen.

Auf diese Weise wollen wir Menschen dabei unterstützen, Informationen besser einzuordnen und sich selbstbestimmt eine eigene Meinung zu bilden.

Fünf Feeds, fünf Perspektiven

Wie gelingt es Feedwatch, unterschiedliche politische Informationswelten realistisch abzubilden?

Die Grundlage bilden Forschungsaccounts, die in Kooperation mit dem Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) über einen längeren Zeitraum mit Inhalten aus unterschiedlichen politischen Milieus interagiert haben. Daraus sind insgesamt fünf Feeds entstanden, die typische algorithmische Informationsräume sichtbar machen – und zwar von links nach rechts über das gesamte politische Spektrum hinweg. 

Dabei geht es nicht darum, den einen typischen Feed für eine bestimmte politische Haltung abzubilden. Die ausgewählten Feeds sollen vielmehr sichtbar machen, wie unterschiedlich politische Inhalte ausgespielt, eingeordnet und wahrgenommen werden – und welche Dynamiken und Mechanismen sozialer Medien dahinterstehen.

Werden in der App auch Inhalte zu sehen sein, die beispielsweise menschenverachtende Aussagen wiedergeben, um eine möglichst realistische Nachahmung zu ermöglichen?

Ja, das kann vorkommen, weil solche Inhalte Teil realer politischer Informationswelten sind. Gerade im schulischen Kontext arbeiten wir deshalb mit kuratierten Ereignissen. Potenziell problematische Beiträge – etwa aufgrund ihres Aussagegehalts oder weil sie mit KI erstellt wurden – werden entsprechend gekennzeichnet, kontextualisiert und pädagogisch eingeordnet. So lassen sie sich kritisch besprechen, ohne die Lernenden damit allein zu lassen.

Wer ermöglicht die Arbeit von Feedwatch finanziell?

Das Projekt wird von dem gemeinnützigen Verein Feedwatch e.V. getragen und durch Mitgliedsbeiträge sowie Fördergelder finanziert. Ein großer Teil der Arbeit wird außerdem ehrenamtlich geleistet.

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Bild mit freundlicher Genehmigung © Feedwatch

Nicht nur anschauen, sondern gemeinsam einordnen

Wie kann Feedwatch politische Bildung lebendig und anschaulich machen?

Statt nur abstrakt über Filterblasen, Algorithmen oder politische Kommunikation zu sprechen, können Lernende selbst erleben, wie unterschiedlich ein politisches Ereignis in verschiedenen Feeds erscheint. Daraus entstehen schnell konkrete Fragen: Warum sehe ich diesen Beitrag und jemand anderes einen ganz anderen? Wer setzt welche Themen und mit welchen Strategien? Und wie unterscheiden sich die Informationen und Gefühle, die in den verschiedenen Feeds vermittelt werden? 

Genau daran lassen sich Meinungsbildung, Quellenkritik, politische Kommunikation und Plattformlogiken sehr anschaulich diskutieren.

Was sollten politische Bildner beim Einsatz der App besonders im Blick behalten?

Feedwatch ist bewusst niedrigschwellig angelegt: Die App kann direkt und ohne Login genutzt werden. Trotzdem sollte sie nicht als vollständiges oder objektives Abbild politischer Wirklichkeit verstanden werden, sondern als Ausgangspunkt für die gemeinsame Auseinandersetzung. 

Wichtig ist, transparent zu machen, wie die Feeds entstanden sind und wo ihre Grenzen liegen. Gerade bei zugespitzten, diskriminierenden oder irreführenden Inhalten braucht es pädagogische Begleitung und genügend Raum für Einordnung und Reflexion. Dafür stellen wir fertige Unterrichtskonzepte bereit, die unter anderem mit Diskussionen und Rollenspielen arbeiten.

Welche nächsten Schritte plant Feedwatch für die Zukunft?

Wir möchten Feedwatch technisch weiterentwickeln und neben der bisherigen Instagram-Simulation auch weitere Netzwerke wie TikTok abbilden. Gleichzeitig wollen wir den Lernbereich innerhalb der App ausbauen, damit Nutzer:innen sich auch selbstgesteuert mit Themen wie Algorithmen, politischer Kommunikation und Meinungsbildung auseinandersetzen können. 

Darüber hinaus soll Feedwatch langfristig als Bildungsangebot im schulischen und außerschulischen Bereich verankert werden. Nach einem ersten erfolgreichen Testprojekt an einer Schule suchen wir nun weitere Lehrkräfte, die die App und unsere Unterrichtskonzepte ausprobieren, sowie Kooperationspartner, die uns bei der Weiterentwicklung und Verbreitung unterstützen.

 

vielen Dank für das Interview.

 

Weitere Informationen: feedwatch.eu

direkt zur Web-App

Feedwatch für Android

 

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Manfred Rump ist Vorstand bei Feedwatch und hat die Idee mitentwickelt.

Wir haben das Interview per E-Mail geführt.

 

 Bild mit freundlicher Genehmigung © Feedwatch

  

 

 

 


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