Haltung statt falscher Neutralität
Der Siegburger Konsens
Müssen Lehrkräfte politisch neutral sein? Der Siegburger Konsens gibt darauf eine klare Antwort: Gegenüber Demokratiefeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und anderen Formen der Menschenfeindlichkeit darf Schule nicht gleichgültig bleiben.
Der von Siegburger Lehrkräften entwickelte Konsens knüpft an den Beutelsbacher Konsens an. Dessen Grundsätze – Überwältigungsverbot, Kontroversitätsgebot und Schüler*innenorientierung – bilden seit Jahrzehnten die vielleicht wichtigste Grundlage politischer Bildung. Der Konsens soll verhindern, dass junge Menschen indoktriniert werden, und sie dazu befähigen, unterschiedliche Positionen abzuwägen und eigene Urteile zu entwickeln.
Allerdings wird der Beutelsbacher Konsens bis heute immer wieder als Neutralitätsgebot missverstanden. Dabei bedeutet das Kontroversitätsgebot nicht, dass alle Positionen gleichberechtigt nebeneinandergestellt werden müssen. Menschenwürde, Menschenrechte und demokratische Grundprinzipien sind keine beliebigen Standpunkte. Werden sie angegriffen, sind Lehrkräfte aufgefordert, einzuordnen, zu widersprechen und Betroffene zu schützen.
Genau hier setzt der Siegburger Konsens an. Er ergänzt die drei bekannten Prinzipien um einen vierten Grundsatz: „Nicht neutral gegenüber verfassungsfeindlichen Positionen“. Damit macht er deutlich, dass demokratische Haltung und ergebnisoffene politische Bildung keine Gegensätze sind.
Lehrkräfte sollen Schüler*innen weiterhin nicht vorgeben, was sie zu denken oder welche Partei sie zu unterstützen haben. Sie können politische Fragen kontrovers behandeln und zugleich klare Grenzen gegenüber Diskriminierung und Demokratiefeindlichkeit ziehen. Diese Unterscheidung ist gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung und gezielter Desinformation wichtig.
Für die politische Jugendbildung bietet der Siegburger Konsens deshalb einen wertvollen Impuls. Er schafft Orientierung und stärkt Pädagog*innen darin, demokratische Werte nicht nur zu vermitteln, sondern auch im Alltag vorzuleben. Zugleich erinnert er daran, dass Demokratiebildung mehr ist als Wissensvermittlung: Junge Menschen brauchen Räume, in denen sie Beteiligung, respektvollen Streit und Selbstwirksamkeit erfahren können.
Der Siegburger Konsens ersetzt den Beutelsbacher Konsens nicht. Er denkt ihn für die aktuellen Herausforderungen weiter. Seine zentrale Botschaft lautet: Politische Bildung muss offen für unterschiedliche Meinungen sein – aber nicht neutral gegenüber der Abwertung von Menschen und Angriffen auf die Demokratie.
Weitere Informationen bietet die Themenseite der Stadt Siegburg. Der vollständige Siegburger Konsens steht hier als PDF zur Verfügung.